DAS SPARSCHWEIN

Komödie von Eugène Labiche

Champbourcy ist nicht irgendwer. Immerhin ist der Pensionär Chef der örtlichen Feuerwehr in der französischen Provinz und schart regelmäßig die Elite des Hinterlandes um sich. Vom Landwirt über den Notar und den Apotheker bis zum Steuereinnehmer versammelt sich die Noblesse des Dorfes zum Kartenspiel und zahlt ihre Verluste stets – wenn auch unter Murren – in ein gemeinsames Sparschwein ein. Nun aber ist das Schwein voll und muss geschlachtet werden. Eine willkommene Gelegenheit, das Ersparte gemeinsam auszugeben. Nach hitziger Debatte einigt man sich auf eine Reise nach Paris. Doch von vornherein haben alle Beteiligten unterschiedliche Hintergedanken bei dieser scheinbar harmlosen Vergnügungsfahrt: Während die einen nur die Restaurants oder die schlichte Aussicht auf die Möglichkeit eines Zahnarztbesuches locken, bekommt Champbourcys Tochter Blanche beim Gedanken an die Kaufhäuser der Metropole glänzende Augen. Und das wäre doch auch die ideale Gelegenheit, endlich ihren zögerlichen Angebeteten Félix dazu zu bringen, beim Vater um ihre Hand anzuhalten. Ihre Tante Léonida wiederum hat ganz andere Pläne, denn auf sie wartet in Paris ein Rendezvous, das sie um nichts in der Welt verpassen will, von dem aber Champbourcy auf keinen Fall erfahren darf.
In Paris angekommen gerät die Dorfprominenz, die sich in der Großstadt natürlich bestens auszukennen wähnt und überzeugt ist, mit allen kosmopolitischen Wassern gewaschen zu sein, in einen schier irrsinnigen Strudel von Ereignissen, der Paris für sie zu einem wahren Albtraum werden lässt. Die Reisegruppe wird Opfer zahlreicher Betrügereien, Irrtümer und Pannen – aber auch ihrer eigenen trivialen Sehnsüchte, ihrer Borniertheit und Großmannssucht.

Eugène Marin Labiche (1815-1888) schrieb 175 Lustspiele, Possen und Farcen. In seiner Komödie „Das Sparschwein“ spiegelt er mit fantastischer Sprach- und Situationskomik anhand des Konfliktes „Provinzler versus Großstadtleben“ die absurde Arroganz des Bürgertums, seine heuchlerischen Moralvorstellungen und die panische Angst vor dem, was hinter der bröckelnden Fassade bourgeoiser Kulissen sichtbar werden könnte.