Uraufführung

Pussy Riots

Aufstand in drei Akkorden
Textfassung von Magz Barrawasser und Florian Heller

Premiere am 15. Juni 2017 in der Box

Inszenierung
Magz Barrawasser  
Musikalische Leitung
Anke Wisch  
Bühne und Kostüme
Johanna Denzel  
Dramaturgie
Florian Heller  
Mit
Silvia Weiskopf
JaŰla Carlina Probst
Katharina Leonore Goebel  

„Der Ablauf ist simpel: Geräte aufstellen und anschließen, die orthodoxen Tücher über den Sturmhauben abnehmen und diese übers Gesicht ziehen. Aber kaum haben wir die Daunenjacken ausgezogen, stürzen die Wachleute zusammen mit den kräftigen Männern in Zivil auf uns und wollen uns herunterzerren. 10 Sekunden Auftritt. Verstärker und Mikrofon fliegen in die Ecke. Ich entwische gerade so. Versuche, in den wenigen freien Sekunden einen Tanz aufzuführen. Bekreuzige mich. 20 Sekunden Auftritt. Der Wachmann zieht mir die Sturmhaube vom Kopf. Was zum Teufel, das ist ein verbotener Griff, ich zieh euch doch auch nicht die Unterhosen aus! Wir sind 30 Sekunden am Altar.“

Am Morgen des 21. Februar 2012 stürmen fünf junge Frauen in die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau und verrichten ein Gebet – ein Punk-Gebet. „Mutter Gottes, Jungfrau, verjage Putin!“ rufen sie und fordern damit die ganze Härte eines quasi-autokratischen Staates heraus: Nadeschda Tolokonnikowa und zwei ihrer Mitstreiterinnen werden für die gewaltfreie Aktion wegen „Rowdytum aus religiösem Hass“ zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt. Das Urteil schlägt weltweit hohe Wellen. Über Nacht werden aus den aufständischen Punk-Musikerinnen gefeierte „Putin-Kritikerinnen“. Aber es geht um mehr als Putin, tauchen neben ihm doch auch „Mutter“, „Gott“ und „Jungfrau“ in der entscheidenden Zeile des Punk-Gebetes auf. Der Kampf der Pussy Riot-Frauen ist ein feministischer, ein Kampf gegen eine patriarchale Ordnung, in der eine von Männern dominierte Verquickung von Religion und Politik den Ton angibt. Es ist ein Kampf gegen Phallozentrismus, Homophobie und Gender-Normen, die den Alltag nicht nur in Russland fest im Griff haben.

 

Matinee am 11. Juni 2017, 11:15 Uhr, Café Central International, Eintritt frei
 

Titelmotiv: sputnic – visual arts

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