Leben des Galilei

Schauspiel von Bertolt Brecht
mit Musik von Hanns Eisler

Wiederaufnahme am 6. Oktober 2017 im Grillo-Theater

Inszenierung
Konstanze Lauterbach  
Musikalische Leitung
Achim Gieseler  
Bühne
Ann Heine  
Kostüme
Claudia Charlotte Burchard  
Dramaturgie
Jana Zipse  
Galileo Galilei, Wissenschaftler und Gelehrter
Axel Holst  
Andrea Sarti, sein Schüler
Alexey Ekimov  
Frau Sarti, Galileis Haushälterin, Andreas Mutter
Ines Krug  
Virginia, Galileis Tochter
Stephanie Schönfeld  
Ludovico Marsili, ein reicher junger Mann, Virginias Verlobter / Individuum / u. a.
Stefan Migge  
Herr Priuli, der Kurator der Universität Padua / Der Prälat / Kardinal Inquisitor
Jan Pröhl  
Sagredo, Galileis Freund / Vanni, ein Eisengießer / u. a.
Thomas Büchel  
Der kleine Mönch, Galileis Schüler / u. a.
Philipp Noack  
Kardinal Barberini, später Papst Urban VIII. / Philosoph
Jens Winterstein  
Kardinal Bellarmin / Mathematiker / Pater Christopher Clavius, Astronom am Collegium Romanum / u. a.
Stefan Diekmann  
Federzoni, ein Linsenschleifer / u. a.
Sven Seeburg  
Der Doge von Venedig / Theologe / Balladensänger / u. a.
Rezo Tschchikwischwili  
Soldaten / Mönche / Volk / Hofgesellschaft
Marina Baumbach
Jasmin Buczko
Mike Dotten
Hans-Peter Koellges
Christian Lehnert
Linus Twardon
Charlotte Uhling  

Galileo Galilei möchte das neue kopernikanische Weltsystem beweisen – nicht nur seinem Schüler Andrea, sondern gleich der ganzen Welt. Doch mit der Erkenntnis, dass sich keineswegs alles um die Erde dreht, wirft der italienische Mathematiker und Astronom (1564-1642) ein ganzes Weltbild über den Haufen, mehr noch: „Das Weltall hat über Nacht seinen Mittelpunkt verloren.“ Die erschütternden Erkenntnisse lassen insbesondere die katholische Kirche aufhorchen: Wo ruht das Auge Gottes auf einer Erde, die nicht mehr das Zentrum der Welt bildet, sondern ein Gestirn wie unzählige andere ist? Wie soll ein geknechtetes Volk unter diesen Umständen einen Sinn im irdischen Dasein erkennen? Welche Rolle spielt da noch die Heilige Schrift? Galilei schlägt alle Warnungen in den Wind; zu stark ist sein Wille zur Wahrheit. Er versucht, die höchsten Kirchenvertreter im Vatikan von seiner Forschung zu überzeugen. Seine Werke kommen jedoch auf den Index, und der Astronom verfällt in jahrelanges Schweigen. Als ein der Wissenschaft zugewandter neuer Papst berufen wird, schöpft Galilei Hoffnung. Aber diesmal zeigt ihm die Inquisition ihre Instrumente – 23 Tage später widerruft er seine Lehre.

„Unglücklich das Land, das keine Helden hat“, werfen ihm seine enttäuschten Schüler vor. „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat“, lautet die Antwort des zwischen Forschungsdrang, eigenen Machtbestrebungen und Kircheninteressen aufgeriebenen Wissenschaftlers, der Bertolt Brecht seit einer ersten Fassung seines Schauspiels in den Jahren 1938/1939 beschäftigte. Steht der Kampf Galileis um den Sieg der Vernunft zu Beginn noch in deutlichem Bezug zum nationalsozialistischen Deutschland, gewinnt die Frage nach dem gleichermaßen revolutionären wie gefährlichen Potenzial der Wissenschaft in weiteren Fassungen an Bedeutung. Nach wie vor bietet Brechts Schauspiel einen spannenden Diskurs über Wahrheitssuche und Zweifel, Meinungsfreiheit und totalitäre Strukturen, Opportunismus, Forschung und vor allem (Fortschritts-)Glauben und stellt nicht zuletzt zur Diskussion, ob jemand wie Galileo Galilei ein Held oder ein Verräter ist.

 

Gefördert durch eine private Spende der Eheleute Sunhild und Christian Sutter.
 

Titelfoto und Bilderstrecke: Thilo Beu

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